Gated Communities

aus dem Artikel und der Eröffnungsrede von Dr. Wolfram Weimer:

Den Sinn für die feinen Unterschiede der Grenzwahrheit findet hingegen eine zweite Aktion aus Berlin. Die Ausstellung „Gated Communities“ im VKU-Forum an der Invalidenstrasse zeigt Werke der Künstlerin Julia Theek. Sie stellt sich auf tiefgründige Weise der uralten Frage, wen man eigentlich wo hereinläßt. Ihre malerischen Antworten sind raffiniert und vielschichtig. Die Bilder warnen vor allzu schnellen Einsichten und moralischen Besserwissereien.

Mauern und Zäune sind ambivalenter als man im ersten Reflex ahnt. Auch Weltbilder werden abgeschottet, linke wie rechte, und man ahnt beim Sichten der Bilder, dass Abschottung auch etwas Positives haben kann. Wenn man sich vor Hass abschottet, vor Gewalt oder Ideologie oder auch nur vor dem Kommunikationswahn der digitalen Moderne, indem man sein Handy abschaltet. Oder vor der Raserei der Moderen, die viele Menschen in Retro-Reflexe flüchten läßt auf der Suche nach verlorenen Heimaten. Merke: Wer nach allen Seiten offen ist, der ist nicht ganz dicht.

Es ist also mit der Abschottung eine verflixt ambivalente Sache. So kann man „gated communities“ auch übersetzen mit „behütete Gemeinschaften“, wie Informatiker es tun, wenn sie die informationelle Selbstbestimmung schützen wollen.

Die Künstlerin Theek spaziert mit ihren Bildern leichtfedernd durch die widersprüchlichen Pfade der Erkenntnis. Und sie findet einen ästhetischen Weg durch den neuen Dschungel der Zäune. Sie klagt an, ohne bevormundend oder pädagogisch zu wirken, sie gibt den Blick frei, wo es einen Horizont der Hoffnung gibt.